Hochzeitskerze

Zum Dahinschmelzen.

„Marijtje,  wir wollten dich fragen, ob du unsere Hochzeitskerze gestalten könntest?“ „….öh… Kerze?“ „Ja, da du doch die Kreativste in der Familie bist.“ „…mh, habe ich noch nie gemacht, aber okay.“

So habe ich reagiert, als mir mein Bruder beschriebene Frage stellte. Eine Kerze. Ich habe davor noch nie mit Kerzen gearbeitet. In der Kindheit waren wir einstmal an der Ostsee in einer Kerzenzieherei – das fand ich damals mega spannend, den Gewitterbruch während der Heimfahrt mit dem Fahrrad hingegen nicht.

Eine Hochzeitskerze also. Aber woher kommt denn eigentlich dieser Brauch? In seiner Form habe ich ihn bisher nur dreimal erlebt. Bei der ersten Hochzeit trugen die Kinder (sieben und neun Jahre) des Brautpaars jeweils eine brennende Kerze zum Altar und entzündenten mit ihrem Licht die dort stehende Hochzeitskerze. Das fand ich damals schön – denn da es sich hier um die zweite Ehe und damit auch um Kinder unterschiedlicher Eltern handelte, symbolisierte die Vereinigung der Kerzen doch das  Bündnis der neuen Familie. 

Die zweite Hochzeitskerze wurde durch das Erzählen eines Gleichnis mit in die Trauzeremonie eingebunden. Und die dritte Hochzeitskerze, nun, diese war die ich gestalten durfte.

Bevor ich euch erkläre, wie ich das getan habe, möchte ich euch noch meine drei liebsten Erklärungen für diesen alten Brauch erzählen.

1. Das Licht symbolisiert die Wärme der Liebe zwischen dem Brautpaar. Zugleich ist es das Feuer, das immer wieder einheizen kann – auch flackert die Flamme hin und wieder, aber ein Erlischen ohne Fremdeinwirkung passiert erst am Lebensende der Kerze (bzw. des Brautpaars). 


2. Jesus sagt uns allen: „Ich bin das Licht der Welt. Wer an mich glaubt, wird nicht wandeln in der Finsternis.“ (Johannes 8, 12) Die Hochzeitskerze kann stets daran erinnern, dass man seine Ehe mit dem Vertrauen auf Gott aufbaut – das eine Ehe in diesem Glauben immer eine Dreierbeziehung ist.


3. Das Licht der Kerze soll bei der Entdeckung des neuen gemeinsamen Lebenswegs unterstützen. Das sollen auch die Segensgebete für das Brautpaar, die symbolisch durch den Rauch der Flamme zu Gott emporsteigen. (Ja, ich weiß, Gott hört die Gebete auch ohne den Rauch und das Emporsteigen… aber in meinen Augen ist es ein schönes, alttestamentalisches Bild.)

Und nun geht es zum Basteln. 

Was benötigt ihr?

  • Backpapier
  • Blütenblätter
  • Blütenpresse/ schwere Bücher
  • Teelöffel
  • Teelicht und Kerzenanzünder
  • Stumpenkerze
  • Kerzenverzierung (z.B. Wachsringe, Wachs-Goldpapier)
  • Eventuell eine Pinzette
  • DIN A4-Bogen


Als erstes war ich im städtischen Schau- und Sichtgarten und habe dort Blüten gesammelt, die bereits auf den Boden lagen. Wenn ihr einen eigenen Garten habt, dann könnt ihr natürlich auch hier Blütenblätter pflücken. Der öffentliche Garten war für mich jedoch ein Schatz an Blüten in dem verschiedensten Farben und Formen. Mein Sammelsurium sortierte ich zunächst, um es dann vorsichtig in Backpapier zu legen und mit Hilfe von einem alten Duden zu pressen. Die dicken Fotobüchern auf dem Duden liegend waren für den Erfolg dabei nicht unwichtig. Und so hatte ich nach 1,5 Wochen eine Pracht an zerbrechlichen und filigranen Blütenblättern.

Für die weitere Gestaltung legt ihr nun zuerst die Blütenblätter auf den Papierbogen probeweise auf. So könnt ihr euer Muster oder Design der Kerze veranschaulichen und es perfektionieren. Passt dabei auf, dass ihr auch die weiteren Dekorationselemente wie die Wachsringe oder den Namensschriftzug des Brautpaars bei eurer Musterlegung nicht vergesst.

Im nächsten Schritt könnt ihr die zentralen Elemente auf die Kerze auftragen – in meinem Fall war es der Hochzeitstag und die Namen der beiden. Beide Schriftzüge trug ich mit Hilfe von Wachs-Goldfolie auf, die ich beim Drogeriemarkt Müller gekauft habe.

Tipp: Übt das Schreiben mit der Goldfolie zunächst auf einer alten Kerze, genauso wie das Ankleben der Blüten.

Brennt das Teelicht schon? Liegt der Teelöffel bereit?  Noch nicht? Dann ist jetzt die Zeit gekommen, diese beiden Werkzeuge zurecht zu legen.


Lege eine gepresste Blüte auf die gewünschte Stelle der Kerze. Halte nun die Spitze des Teelöffels über die Flamme des Teelichts. Es dauert nicht lange, dann ist das Metall erhitzt – nutze diesen Effekt und fahre mit der Löffelspitze vorsichtig über das aufgelegte Blütenblatt. Das wird nun regelrecht in die Kerze eingeschmolzen. Das ganze ist nicht schwer, aber ein richtiges Timing ist trotzdem wichtig. Achte darauf, dass das Blütenblatt tatsächlich fest ist, aber pass auch auf, dass du keine Delle in die Kerze schmilzt. Wie gesagt, probiere es am besten zuvor an einer alten Kerze aus.

Ich habe es übrigens zuerst mit einem Bügeleisen versucht und rate euch dringend davon ab – diese Taktik ist aufwendiger, gefährlich für deine Finger und schmilzt nur hässliche Dellen in die Kerze. Das untere Bild zeigt euch meinen ersten misslungenen Versuch. Mit dem Teelöffel-Prinzip kann das nicht passieren!


Zum Schluss möchte ich euch noch meine beiden Kerzen zeigen.

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Mich interessiert: Wie interpretierst du den Brauch der Hochzeitskerze?  Schreib mir doch einen Kommentar.

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Ein Kommentar zu „Hochzeitskerze

  1. Liebe Marijtje, die Kerze sieht wirklich bezaubernd aus! Die Idee Blüten darauf anzubringen ist wirklich sehr schön.
    Ich habe die Hochzeitskerze auch erst dieses Jahr kennengelernt. Ich denke, dass sie auch eine sehr tolle Erinnerung ist 🙂
    Ganz liebe Grüße, Elina

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