Wie schnell schlecht gelaunt

Gerade hatte ich noch ein Lächeln auf den Lippen. Ach was, eher habe ich alle Passanten, die mit mir die Straße überquerten bereitwillig angegrinst. Wie viele Minuten vergingen, bis meine Mundwinkel nicht mehr der Schwerkraft trotzten? Ganz exakt weiß ich es natürlich auch nicht. Aber von vorn…

Picture by Marijtje van Riesen

Mies ist mein gestriger Tag geendet und genauso wieder angefangen. Die Kopfschmerzen waren immer noch da und trotz frühem Zubettgehen war die Müdigkeit nicht verschwunden. Dann hatte mein geliebter Pendlerzug noch 20 Minuten Verspätung. Der Schaffner entschuldigte sich gelangweilt bei den zugestiegenen Gästen. Auf der Arbeit ging die Milch für den Kaffee leer und sowieso lief heute nichts rund. Die Nase begann zu schniefen und die Gurkel beim Schlucken wehzutun. Die Augen komplett überanstrengt, schmerzten und tränten. Bei all dies frohlockte ich innerlich und dachte bereits daran, meine lang geplante Verabredung mit einer Freundin für den Abend abzusagen, zu verschieben, um nur noch ins Bett zu fallen.

Aber ich tat es nicht.

Gott sei Dank.

Ich glaube, er wusste ganz genau wie es mir geht und schenkte mir einen wunderschönen, herzlichen und entspannten Abend. Zwei Stunden unter Freunden und die Welt drehte sich sehr viel bunter.

Und da war ich dann – grinsend überquerte ich die immer noch volle Straße in Frankfurt. Ich versuchte meine Freude über diesen tollen Sommerabend weiterzugeben, ganz gemäß „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag!“ oder „Lächle und dein Lächeln geht um die Welt.“ Doch irgendwie nahmen die Menschen um mich herum das Strahlen auf meinem Gesicht gar nicht wahr. Die meisten schauten entweder allgemein demonstrativ an passierenden Personen vorbei oder schauten durch mich hindurch. Als ich bereits auf dem Bahnsteig ankam und mir eine Menschentraube entgegenlief, begann ich die Pendler direkt ins Gesicht zu sehen. Doch niemand erwiderte mein Lächeln.

Wie oft gehe ich durch die Welt und bemerke nicht das Lächeln, dass mir geschenkt wird? Nicht nur das Grinsen von Menschen um mich herum, sondern auch das Lächeln Gottes. Es ist so viel einfacher sich zu ärgern – das tun doch alle, besonders gerne die Deutschen. Aber was, wenn wir beginnen uns wieder zu freuen,  den warmen Sommerabendwind zu genießen, mit dem quietschenden Kind in der Straßenbahn um die Wette zu kokettieren, das vorbeiwehende Parfum der Blumen einzuatmen und über die holprigen Hopser der Kaninchen(plage) in der Stadt zu lachen?

Morgen früh werde ich das Anlächeln noch einmal probieren. Vielleicht kommt dann neben mir noch jemand Anderes entspannter zur Arbeit.

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